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Stilblüten und Hurenkinder

Weder Blumensträusse noch das älteste Gewerbe der Welt finden Sie hier. Die Sprache ist meine grosse Leidenschaft und sprachliche «Ausrutscher» sind das Salz in der «Suppe» meiner Arbeit. Zum Beispiel dieser Satz.

«Mietwagenübernahme jeweils am Samstag oder an Freiertagen

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Wertvolle Tipps

Jeden Monat ein Mail, ein Brief oder eine Frage

Sie haben es vielleicht bemerkt. Hier ist schon lange kein neuer Monatsbrief mehr erschienen. Mir sind die Beispiele ausgegangen. Falls Sie für einen Brief oder ein Mail eine Einschätzung haben möchten, können Sie mir dies mailen.

In der Zwischenzeit bespreche ich hier jeden Monat eine Frage rund um die Korrespondenz, die meine Kundinnen und Kunden gestellt haben. Lassen Sie sich überraschen.

Alle Monatsbriefe und beantworteten Fragen finden Sie im Buch «Tipptoppe Korrespondenz».

Bindestrich oder lieber nicht? Wenn die Striche plötzlich überall auftauchen

Liebe Claudia

Vielen Dank für deine Weiterempfehlung an C.! Ich habe mich sehr über sein Mail gefreut, auch wenn ich zur Zeit keinen Jobwechsel plane. Wir haben vereinbart, dass wir uns mal auf einen Kaffee treffen.

Ich habe noch was für dich. Eine Liste mit den Schreibweisen von Fachbegriffen meines Kunden. Ich bin mir nicht sicher, ob alle korrekt sind. Kannst du bis Morgen früh mal ein Auge drauf werfen?

Danke für ein kurzes Feedback, ob du Zeit hast.

Liebe Grüsse

J.

 

Liebe J.

Aber natürlich werfe ich gerne ein Auge darauf. Und tatsächlich: Bei solchen Listen mit Fachbegriffen kann man sich ziemlich schnell fragen, ob der Bindestrich eigentlich gerade arbeitet oder einfach nur dekorativ herumsteht.

Zu deiner Frage: Bei den meisten deutschen Zusammensetzungen braucht es keinen Bindestrich. Wörter wie «Sicherheitslichtschranke», «Sofortstopp» oder «Weltmeister­schaft» werden grundsätzlich zusammengeschrieben. Der Bindestrich ist im Deutschen also nicht die Standardlösung, sondern eher ein kleines Hilfsmittel, das man gezielt einsetzen kann.

Drei Fälle sind besonders wichtig.

  1. Wenn der Bindestrich die Lesbarkeit verbessert

Bei sehr langen oder unübersichtlichen Zusammensetzungen hilft ein Bindestrich, die einzelnen Bestandteile besser erkennbar zu machen. So wird dann aus einer «Leichtathletikweltmeisterschaft» eine «Leichtathletik-Weltmeisterschaft». Das Auge kann kurz verschnaufen und erkennt sofort, worum es geht.

  1. Wenn ein Wortteil besonders hervorgehoben werden soll

Manchmal sorgt der Bindestrich dafür, dass eine bestimmte Bedeutung oder Wortgrenze sichtbar wird. Ein schönes Beispiel ist «Ich-Sucht»: Der Bindestrich macht auf den ersten Blick deutlich, dass hier «Ich» und «Sucht» bewusst miteinander verbunden werden.

  1. Wenn deutsche und fremdsprachige Bestandteile zusammentreffen

Bei Kombinationen aus deutschen und fremdsprachigen Wörtern ist der Bindestrich häufig vorgeschrieben. Ein «Batch-Leser» gehört beispielsweise in diese Kategorie.

Und damit sind wir schon bei deiner Liste. Fast alle Bindestriche können dort verschwinden. Die englisch-deutschen Kombinationen brauchen den Bindestrich, bei den übrigen Zusammensetzungen ist er grundsätzlich nicht nötig.

Natürlich kann dein Kunde trotzdem Bindestriche verwenden, wenn sie ihm gefallen. Er sollte dabei allerdings ein bisschen auf sein sprachliches Augenmass vertrauen: Ein Bindestrich soll die Lesbarkeit verbessern – nicht aus einem gut lesbaren Wort eine kleine Hindernisstrecke machen.

Denn zwischen «Leichtathletik-Weltmeisterschaft» und «Sicherheits-Sofort-Stopp» liegt ein ziemlich grosser Unterschied. Beim ersten Beispiel hilft der Bindestrich dem Auge. Beim zweiten fragt es sich eher, warum das Wort plötzlich in drei Einzelteile zerlegt wurde.

Noch schlimmer wird es bei «Sicherheits-Lichtschranken»: Hier macht der Bindestrich nicht etwa deutlicher, was gemeint ist, sondern unterbricht eine ganz normale deutsche Zusammensetzung. Das Wort «Sicherheitslichtschranken» liest sich zwar zunächst etwas länger, ist aber sprachlich völlig unproblematisch.

Mein Rat für den Umgang mit deiner Liste lautet deshalb: Erst einmal alle Bindestriche raus – und danach nur diejenigen wieder einsetzen, die einen guten Grund haben. So fährt man im Deutschen meistens ziemlich gut.

Und keine Sorge: Du musst nicht bei jedem Bindestrich eine Grundsatzdiskussion mit deinem Kunden führen. Wenn er die Schreibweise mit Bindestrichen bevorzugt, kann man das bei nicht zwingenden Fällen durchaus als Hausstil handhaben. Wichtig ist vor allem, dass die Schreibweise einheitlich bleibt und die Striche einen Nutzen haben.

Der Bindestrich ist also kein sprachliches Verbotszeichen, sondern eher ein kleines Werkzeug: Man darf ihn einsetzen – aber man muss nicht. Und manchmal ist weniger einfach mehr.

Ganz es liebs Grüessli

Claudia